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Strafverfahren – Was tun?

Als Strafverteidiger habe ich ein Interesse daran, dem Laien mit wenigen Worten mitzuteilen: Was ist zu tun, wenn ich die unerfreuliche Nachricht zur Kenntnis nehmen muss, dass die Polizei / Staatsanwaltschaft ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren (Strafverfahren) gegen mich eingeleitet hat? Von Interesse ist immer, wie ich mich wehren kann und von Interesse ist ebenso, was strafbar ist und wie bestraft wird. Eine der ersten Fragen in einem Beratungsgespräch ist allzu oft: Werde ich jetzt bestraft, muss ich ins Gefängnis?

Manchmal ist es überraschend, manchmal auch nicht, dass die Polizei / Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Polizei verschickt Briefe mit der „Einladung“, sich an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit zu einem bestimmten Vorwurf zu äußern – die Polizei erklärt jedoch auch allzu oft die Festnahme, nimmt die betroffene Person zur Polizeidienststelle mit und versucht, unter dem Eindruck der Festnahme die betroffene Person zur Aussage zu bewegen. Deshalb sei an dieser Stelle erwähnt: Schweigen ist die einzige richtige Reaktion und ich kenne keinen einzigen Strafverteidiger in Deutschland, der diesen Rat nicht erteilt. Eine Aussage zur Sache kann auch später, das heißt nach der Beratung durch einen Strafverteidiger, getätigt werden – es besteht kein Grund zur Eile. Einzig und allein die Polizei und Staatsanwaltschaft haben ein Interesse an einer raschen Aussage, denn der Betroffene könnte es sich vielleicht anders überlegen und nichts sagen. Unter dem Eindruck der Verhaftung ist schon so manche Aussage zustande gekommen, die später bitter bereut wurde.

Deshalb nochmals der von jedem Strafverteidiger mit Nachdruck erteilte Rat: Schweigen, sich den Rat eines Strafverteidigers einholen und sodann reagieren, wie auch immer.

Ein Beispiel dazu: Im bundesweit bekannten Kachelmann-Prozess hat Herr Kachelmann vom Zeitpunkt seiner Verhaftung an bis zur Urteilsverkündung geschwiegen, seine Verteidiger haben im monatelangen Prozess erreicht, dass das Gericht von seiner Schuld nicht überzeugt war - mit dem bekannten Ergebnis. Dieser Fall ist ein exemplarisches Beispiel dafür, dass Schweigen zum Erfolg führen kann. Natürlich ist in vielen Fällen das Geständnis die richtige Taktik, aber ich sage, alles zu seiner Zeit und nach rechtskundiger Beratung.

Zusammengefasst: Erst schlaumachen, dann handeln.

Schweigen als Recht des Beschuldigten zum Schweigen als Recht des Zeugen.

Als Zeuge habe ich kein Recht zum Schweigen, sondern muss das schildern, was ich gesehen und gehört habe. Die Grenze ist oft fließend und von einem Laien nicht zu beurteilen, ob er sich mit seiner Aussage einer Straftat verdächtig macht oder nicht. In einem solchen Fall ist es sehr ratsam, einen Strafverteidiger zu befragen, weil nur ein Strafverteidiger mit Erfahrung die Situation richtig einschätzen kann.

  • Bin ich Zeuge einer Schlägerei und will schlichten, so werde ich schnell zum Beteiligten einer Schlägerei, weil eine außenstehende Person die Situation falsch einschätzt und mich der Beteiligung beschuldigt.
  • Als Geschäftsführer einer Firma bei drohender Insolvenz besteht die Gefahr, dass gut gemeintes Handeln, um die Firma zu retten, zur Straftat des Bankrotts führt.
  • Den kleinen aber feinen Unterschied zwischen der Pflicht zur Aussage und dem Recht zum Schweigen erkennt der Fachmann und der Laie wundert sich.

    Handy: 0172 8316229